Während des Gottesdienstes übersetzten ehrenamtliche Schwestern und Brüder aus den Gemeinden Leipzig-Mitte, Leipzig-Plagwitz, Taucha und Torgau die langsam gesprochenen Worte der Predigt sowie die Liedtexte des Gemeindechores in Gebärdensprache. So konnten hörende und hörgeschädigte Gottesdienstbesucher gleichermaßen dem Inhalt folgen.
Priester Andreas Schneider stellte den Gottesdienst unter das Bibelwort aus Jesaja 40,31: „Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Ursprünglich wurde dieses Wort dem Volk Israel zugesprochen, das sich während des Exils in einer scheinbar aussichtslosen Situation befand. Auch heute erleben Menschen Belastungen, Erschöpfung und Überforderung, also Zeiten, in denen Körper und Seele müde werden.
Am Bild des Adlers verdeutlichte er, wie Gott neue Kraft schenkt. Ein Adler muss nicht ständig mit den Flügeln schlagen, sondern nutzt den Aufwind, der ihn trägt. Dieser kann mit dem Wirken des Heiligen Geistes verglichen werden, der Menschen besonders in schwierigen Lebenssituationen stärken und tragen kann. Das Vertrauen auf Gott und den Heiligen Geist schenke Zuversicht und die Gewissheit, auch in schwierigen Situationen nicht allein zu sein. Im Mittelpunkt steht die Zusage Gottes: „Ich bin bei dir.“ Diese Gewissheit wird durch die Worte Jesu unterstrichen: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Diese Zusage ist eine bleibende Grundlage des christlichen Glaubens.
Diakonin Martina Krämer aus der Gemeinde Leipzig-Mitte ging in ihrer Predigtzugabe darauf ein, wie sehr Sorgen und Probleme Menschen belasten und ihnen Kraft rauben können. Sie verglich den Glaubensweg mit einem Marathon, bei dem immer wieder „Wasserstationen“ wie Gottesdienste, Glaubensgemeinschaft und Seelsorge neue Kraft schenken. Wie ein Adler dürfen wir uns vom Heiligen Geist tragen lassen und unsere Sorgen aus einer neuen Perspektive betrachten. Dabei betonte sie: „Sagen wir nicht nur Gott, wie groß unsere Sorgen sind, sondern sagen wir auch unseren Sorgen, wie groß unser Gott ist.“
Das anschließende Zwischenlied „Das sei alle meine Tage“ wurde von allen Anwesenden gemeinsam gebärdet. Priester Mathias Hielscher aus der Gemeinde Leipzig-Mitte fasste in seinem Predigtbeitrag zusammen: Gott kennt uns – unsere Vergangenheit, unsere Gedanken, Sorgen und schwindenden Kräfte. Vertrauen auf Gott zu haben, bedeutet nicht, dass alle Probleme verschwinden oder wir alles verstehen. Es bedeutet vielmehr, die Gewissheit zu haben, dass er uns begleitet und uns Kraft für den nächsten Schritt schenkt.
Im Anschluss an den Gottesdienst kamen die geladenen hörgeschädigten Geschwister und Gäste im Foyer der Kirche zu einem gemütlichen Beisammensein mit gemeinsamem Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen zusammen.
Neuapostolische Kirche